und wie du das für deine Videos nutzen kannst
Gestern Abend hatte ich das Vergnügen, im Rahmen unseres KOMMrum-Events — dem monatlichen Netzwerkformat unserer Community, den KOMMunarden — mit Dr. Jana Bressem, Gestenforscherin, Sprachwissenschaftlerin mit 20 Jahre Erfahrung, zu sprechen. Sie hat wahnsinnig viel aus ihrem Wissen weitergegeben und am überraschendsten fand ich ihr neuestes Forschungsfeld: eine völlig neue Kategorie von Gesten, die auf Plattformen wie TikTok entsteht und längst ins echte Leben übergeschwappt ist.
Jugendsprache entsteht heute auf TikTok
Und mitten in diesem Gespräch musste ich an meine Tochter denken. Ihre Gesten haben mich manchmal irritiert — nicht weil sie falsch wirkten, sondern weil sie anders waren. Höher. Enger. Jetzt verstehe ich warum: Der Ausdruck im Hochformat ist für sie einfach prägend
Jana hat etwas gesagt, das mich nicht losgelassen hat: Gesten entstehen nicht als Dekoration — sie entstehen während des Denkens. Das klingt simpel, hat aber weitreichende Konsequenzen. Die Forschung zeigt seit Jahrzehnten, dass Gesten und Sprache keine getrennten Kanäle sind — sie sind zwei Seiten desselben Ausdrucks. David McNeill, einer der bekanntesten Gestenforscher, hat nachgewiesen, dass Gesten synchron mit der Sprache entstehen und Informationen transportieren, die das gesprochene Wort allein nicht liefert. Wer Gesten vom Gesagten trennt, verliert also etwas — als Sprecher und als Zuschauer.
Das bedeutet auch: Wer seine Gesten unterdrückt, unterbricht seinen eigenen Gedankenfluss. Nicht nur die Wirkung nach außen leidet — auch das Denken selbst wird schwerer. Und wer seine Gesten unbewusst an ein Medium anpasst, merkt es schlicht nicht. Es passiert einfach. So wie Sprache sich anpasst, wenn wir mit Kindern reden oder in einem Vorstellungsgespräch sitzen — Gestik tut dasselbe, nur noch unsichtbarer.
Was das mit deinen Business-Videos zu tun hat
Ich erlebe bei meinen Klienten zwei Muster, die ich immer wieder sehe.
Das erste: Sie frieren ein. Vor der Kamera machen sie plötzlich gar keine Gesten mehr — aus Angst, zu fuchteln oder unprofessionell zu wirken. Was sie nicht wissen: Genau diese Unterdrückung ist das, was sie steif wirken lässt. Nicht die Gesten selbst. Denn Gesten entstehen aus dem Denken — wer sie blockiert, blockiert auch den natürlichen Redefluss. Das spürt der Zuschauer. Er kann es nicht benennen, aber er merkt: Irgendetwas stimmt nicht. Die Person wirkt distanziert, unsicher, unecht — oder einfach wie jemand, der gerade nicht ganz bei sich ist. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Die Person gibt alles. Sie traut sich nur nicht, es zu zeigen.
Das zweite Muster ist subtiler: Sie gestikulieren — aber unbewusst für das falsche Medium. Wer viele Zoom-Calls gemacht hat, hat gelernt, im engen Bildausschnitt zu denken. Gesten finden hoch statt, nah am Gesicht, auf Augenhöhe. Das funktioniert auf Zoom. Aber im Business-Video auf LinkedIn, das jemand im Vollbild schaut, kann dieselbe Gestik plötzlich befremdlich wirken — zu nah, zu eng, zu intensiv. Und wer durch TikTok sozialisiert wurde — bewusst oder unbewusst — bringt eine noch stärker nach oben konzentrierte Gestik mit. Die kann für ein Hochformat-Video auf Instagram funktionieren. Für ein Erklär-Video, das Expertise zeigen soll, muss das aber nicht passen.
Körpersprache vor der Kamera — warum weniger oft mehr schadet
Nicht weniger. Nicht mehr. Sondern Bewusstsein.
Die Frage ist nicht: Gestikuliere ich zu viel? Die Frage ist: Für welches Medium spreche ich gerade — und was braucht dieser Kontext von mir?
Ein Business-Video für LinkedIn braucht andere Gestik als ein TikTok. Ein Vortrag vor Publikum braucht andere Gestik als ein Zoom-Call. Und das Gute ist: Sobald du dir dessen bewusst bist, kannst du es anpassen. Das geht schnell. Es braucht keinen langen Lernprozess — es braucht einen Moment der Erkenntnis.
Das Ziel ist nicht, bestimmte Gesten zu trainieren. Sondern die eigene Wirkung im Gespräch — und dann auch im Video — bewusst wahrzunehmen und gezielt zu gestalten.
Aus der Stimm- und Spracharbeit kommt dafür ein kraftvoller Ansatz: das gestische Sprechen — bekannt unter anderem durch Mel Churcher. Die Idee dahinter ist, dass Gesten nicht Begleitung der Sprache sind — sondern ihr Ursprung. Wer das einmal erlebt hat, hört auf, Gesten zu kontrollieren. Er fängt an, aus ihnen heraus zu sprechen.
Bereit, das auszuprobieren?
Wenn du merkst, dass du vor der Kamera noch nicht so wirkst wie du eigentlich bist — dass da eine Lücke ist zwischen dem, wie du live kommunizierst, und dem, was im Video ankommt — dann ist die Camera Charisma Challenge genau der richtige nächste Schritt.
In 10 Tagen arbeiten wir gemeinsam an deiner authentischen Video-Präsenz. Mit Techniken aus der Schauspielarbeit, mit Bewusstsein für Körpersprache und Stimme — und mit dem Raum, das direkt auszuprobieren und Feedback zu bekommen.
Start ist der 13. April. Die ersten 20 Anmeldungen zahlen 79 € statt 99 €.




