Und verhinderst damit die Erkenntnis, die wirklich etwas verändern könnte.
Das letzte Wort deiner Keynote verklingt im Saal vor dir. Es dauert einen Moment, dann beginnt der Applaus. Einige stehen vielleicht sogar auf. Später in den Gesprächen danach schaust du in Augen, in denen du lesen kannst: Das heute war einer deiner besten Vorträge
Doch solche Vorträge hältst du relativ oft. In deiner Bubble. Und Hand aufs Herz: Was hast du mit deinen Vorträgen wirklich verändert? Bei deinem Publikum. In der Welt. Da, wo es dir wirklich wichtig ist.
Warum gutes Storytelling allein nicht reicht
Wir taumeln gerade von einer Krise in die nächste Katastrophe. Dein Publikum kommt zu deinem Vortrag – und ist bereits voll. Und was tun die meisten Speaker?
Sie fügen noch mehr hinzu.
Mehr Argumente.
Mehr Slides.
Mehr Daten.
Mehr Dringlichkeit.
Und wenn wir wirklich gute Speaker sind?
Dann fügen wir vor allem noch mehr Emotion hinzu.
Besseres Storytelling. Stärkere Bilder. Mehr Energie.
Bei Reizüberflutung sind mehr Reize keine Lösung.
Das ist das Paradox des modernen Impact Speakers: Je besser du wirst im Storytelling, desto mehr riskierst du, dein Publikum zu überwältigen statt zu bewegen. Denn Storytelling Impact entsteht nicht durch mehr – sondern durch weniger.
Was Bertolt Brecht uns über Impact Storytelling lehrt
Es gab da mal einen Dramatiker. In meiner Herkunftsbranche ein großer – wenn auch umstrittener – Name. Bertolt Brecht.
Brecht hatte ein ähnliches Problem wie Impact Speaker heute. Sein Publikum saß im Theater, wurde mitgerissen, weinte, lachte, applaudierte. Und ging nach Hause. Und änderte nichts.
Das hat ihn vermutlich rasend gemacht.
Also hat er aufgehört, sein Publikum emotional zu überwältigen. Stattdessen hat er irritiert. Bewusst. Widersprüche eingebaut. Dinge weggelassen. Das Publikum aus der passiven Konsumhaltung gerissen – und zum Denken gezwungen.
Sein Werkzeug nannte er den Verfremdungseffekt. Konkret bedeutete das:
In seinem Stück “Mutter Courage und ihre Kinder” lässt Brecht die Hauptfigur immer wieder dieselben Fehler machen – und zieht trotzdem keine moralische Schlussfolgerung. Das Publikum soll selbst urteilen. Selbst entscheiden. Selbst die Erkenntnis machen.
In “Der gute Mensch von Sezuan” baut er einen unlösbaren Widerspruch ein: Gut sein und überleben schließen sich aus. Keine Auflösung. Keine Antwort. Nur die Frage – die das Publikum mit nach Hause nimmt.
Sein Werkzeug nannte er den Verfremdungseffekt. Nicht verwirren. Verführen. Zum Nachdenken verführen.
Brecht war dabei radikal. Er war überzeugt: Für echte Erkenntnis braucht es keine Emotion. Emotion ist Ablenkung. Emotion ist Manipulation.
Da sehe ich heute etwas anders. Aber es wäre dämlich, nicht zu nehmen was funktioniert.
Was Impact Speaker von Brecht lernen können
Was nehme ich also von Brecht mit für modernes Impact Storytelling mit?
Zwei Dinge.
Erstens: Wer zu viel erklärt, nimmt dem Publikum die Erkenntnis weg. Der Moment wo es klick macht – den kannst du nicht liefern. Den kann nur dein Publikum selbst erleben. Storytelling Impact entsteht nicht wenn du die Geschichte zu Ende erzählst – sondern wenn du aufhörst bevor das Publikum es erwartet.
Zweitens: Die letzte Meile muss das Publikum selbst gehen. Deine Aufgabe ist nicht, sie ans Ziel zu tragen. Deine Aufgabe ist, sie so nah ranzubringen, dass sie den letzten Schritt selbst machen wollen. Das er ihnen passiert.
Drei konkrete Techniken für mehr Storytelling Impact:
1. Die unvollendete Geschichte
Erzähl eine Geschichte – und lass das Ende offen. Nicht als Cliffhanger. Als bewusste Lücke.
Stell die Frage die das Publikum selbst beantworten muss.
Was würdest du in dieser Situation tun?
2. Der eingebaute Widerspruch
Präsentiere zwei gleichwertige Wahrheiten die sich widersprechen. Löse den Widerspruch nicht auf. Lass das Publikum damit sitzen. Unbequemlichkeit ist der Beginn von Erkenntnis.
3. Die bewusste Pause
Nach deinem stärksten Satz: nichts. Keine Erklärung. Keine Einordnung. Nur Stille. Lass den Gedanken landen. Dein Publikum braucht Raum um zu denken – nicht den nächsten Reiz.
Der Kompass für Storytelling mit Impact
Aber wie baust du das konkret in deinen Vortrag ein?
Hier ist die wichtigste Frage, die ich jedem Speaker stelle mit dem ich arbeite:
Was soll nachher für dein Publikum anders sein?
Nicht: Was willst du sagen?
Nicht: Was weißt du?
Sondern: Was soll sich verändern?
In der Haltung. Im Denken. Im Handeln.
Diese eine Frage verändert alles. Denn wer vom Ende her denkt, baut automatisch anders. Er wählt die Geschichte die auf dieses Ende einzahlt. Er lässt weg was nicht einzahlt. Er irritiert wo es nötig ist. Er lässt Raum wo das Publikum sonst konsumiert.
Brecht hätte das vermutlich anders genannt.
Ich nenne es: deinen Kompass kennen.
Und dieser Kompass ist der Unterschied zwischen Storytelling das begeistert – und Storytelling das verändert.
Vielleicht ist das die sperrigste Erkenntnis aus allem, was Brecht uns hinterlassen hat:
Ein Publikum, das du vollständig überzeugt hast, hat nicht selbst gedacht. Es hat dir zugestimmt. Und ein Publikum, das selbst denkt – das verändert sich.
Also: Was wäre, wenn du bei deinem nächsten Vortrag weniger sagst?
Nicht mehr. Weniger.
Und bewusst Lücken lässt.
Ich bin gespannt was passiert.
Daher: erzähl mir davon, was du dabei erlebst, wenn du das ausprobierst.
Bereit für mehr Impact Storytelling?
Wenn du merkst, dass deine Botschaft nicht so ankommt wie sie sollte – und du verstehen willst warum: Schreib mir. Dann schauen wir gemeinsam, ob die Speaker Masterclass der richtige nächste Schritt für dich ist.




